EndoProthetikZentrum an der Sophien-Klinik

Sophien-Klinik als EndoProthetikZentrum zertifiziert

Das EndoProthetikZentrum an der Sophien-Klinik Hannover hat das Erstzertifizierungsaudit erfolgreich bestanden

Seit Oktober 2012 können unfallchirurgische und orthopädische Spezialkliniken und Fachabteilungen, die auf die Implantation von künstlichen Gelenken (Endoprothesen) spezialisiert sind, eine Zertifizierung zum Endoprothetikzentrum erwerben. Bisher sind in Niedersachsen 40 Institutionen (bundesweit 431, Stand Dez. 2015) nach dem bundesweiten Zertifizierungssystem EndoCert als Endoprothesenzentrum zertifiziert - mit dem EndoProthetikZentrum an der Sophien-Klinik Hannover ist nunmehr ein weiteres Zentrum hinzugekommen.

In Deutschland gehört die Implantation eines künstlichen Hüft- oder Kniegelenkes mittlerweile zu den am häufigsten durchgeführten operativen Verfahren. So werden jährlich ca. 400.000 geschädigte Gelenke durch Endoprothesen ersetzt, um den betroffenen Patienten Schmerzfreiheit, Mobilität und eine insgesamt verbesserte Lebensqualität zurückzugeben. Am Beispiel bereits bewährter Initiativen zur Zentrenbildung, wie beispielsweise Traumazentren oder Brustkrebszentren, hat die Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und orthopädische Chirurgie (DGOOC) in Zusammenarbeit mit weiteren medizinischen Fachvertretern im Jahr 2009 die Initiative „EndoCert“ ins Leben gerufen (Informationen: www.endocert.de; www.clarcert.de), um die Qualität endoprothetischer Eingriffe sicherzustellen und zu verbessern.
Aus der EndoCert-Initiative ist ein Qualitätsmanagementsystem für die Zertifizierung von Endoprothetikzentren hervorgegangen, das seit Oktober 2012 deutschlandweit freigegeben ist. Seitdem können sich alle Abteilungen und Kliniken, die schwerpunktmäßig künstliche Gelenke implantieren und sich intensiv mit der Endoprothetik beschäftigen, als Endoprothetikzentrum zertifizieren lassen.

Ziele der Zertifizierung von Endoprothetikzentren
Ziel ist die Qualität der Versorgung und die Sicherheit der Patienten während und nach einem endoprothetischen Eingriff zur Implantation eines künstlichen Gelenks zu gewährleisten, zu erhalten und zu verbessern. Nur diejenigen Einrichtungen, die im Rahmen des Prüfverfahrens ein hohes Maß an Kompetenz, Spezialisierung und Erfahrung im Bereich der Endoprothetik nachweisen können, erhalten deshalb die Zertifizierung. Für die Patienten stellt das ausgewiesene Zertifikat eine hilfreiche und zuverlässige Unterstützung bei der Suche nach einer angemessenen und geeigneten endoprothetischen Versorgung von Gelenken dar. Denn an der Zertifizierung kann der Patient erkennen, dass die entsprechende Einrichtung den hohen Anforderungen eines Kriterienkatalogs, der von medizinischen Fachexperten und Fachgesellschaften entwickelt wurde, Rechnung trägt.
Anforderungen einer Zertifizierung
Um die Struktur- und Prozessqualität zu standardisieren und sicherzustellen, müssen einheitliche Anforderungen an ein Endoprothetikzentrum erfüllt sein. Dies betrifft u.a. folgende Faktoren:

  • Fallzahlen und Leistungen der Operateure (z. B. Fallzahl gesamt, Fallzahl pro Operateur)
  • Qualifikation des Personals (z. B. Anforderungen Zentrumsleiter, Operateure, QM-Beauftragter)
  • Ausstattung (z. B. OP-Ausstattung, Ausstattung Intensivstation)
  • Anforderung an das Qualitätsmanagementsystem
  • Vorgaben zum Besprechungswesen (z. B. Leitungskonferenz mit nachgewiesener Strategie- und Zielfestlegung)
  • Kooperationsmanagement (z. B. Übersicht Kooperationspartner)
  • Definition und Beschreibung von Kern- und Stützprozessen (z. B. Prozessbeschreibungen, Behandlungspfade)
  • Lückenlose und nachvollziehbare Dokumentation des Behandlungsverlaufs
  • Erfassung der Ergebnisqualität (z. B. Beschwerdemanagement, Komplikationsmanagement)
  • Erhebung und Erfüllung der fachlichen Qualitätsindikatoren (z. B. Qualitätssicherung, Abweichung vom Behandlungspfad)
  • Elemente des Risikomanagements


Umsetzung im EndoProthetikZentrum an der Sophien-Klinik Hannover

Die Sophien-Klinik hat sich seit 2014 intensiv mit der Implementierung eines Endoprothesenzentrums beschäftigt.
Grundvoraussetzung war dabei, dass die geforderten Fallzahlen von jährlich mindestens 100 endoprothetischen Eingriffen pro Zentrum erfüllt werden, wobei jeder Operateur jährlich mindestens 50 endoprothetische Eingriffe nachzuweisen hat. So wurden z. B. in 2015 insgesamt 277 endoprothetische Versorgungen des Hüft- und Kniegelenks durchgeführt, die geforderten Fallzahlen wurden dabei von den Belegärzten Dr. Stefan Krukenberg und Dr. Ryszard van Rhee (Hannover) sowie Dr. Axel Hofmann (Wunstorf) erfüllt, welche sich damit als sogenannte Hauptoperateure qualifizieren konnten.
Gemeinsam mit den Praxen der Hauptoperateure wurde intensiv an der Umsetzung der gemäß dem Erhebungsbogen zu erfüllenden Voraussetzungen gearbeitet. Im Rahmen einer Ist-Analyse wurde geprüft, ob und wie diese Anforderungen bereits erfüllt werden bzw. Regelungen zur Umsetzung geschaffen.

  • Die organisatorischen Anforderungen, z.B. bezüglich der Einführung von vorgeschriebenen Fallbesprechungen, mussten umgesetzt werden.
  • In Klinik und Praxen war ein Dokumentationssystem zu etablieren bzw. den Vorgaben entsprechend anzupassen, so auch als Basis für die Erfassung und Auswertung von Qualitätsindikatoren und Kennzahlen. Ein einheitliches System der Patienten- und Überweiserbefragung war zu implementieren, Behandlungsstandards zu vereinheitlichen.
  • In Bereichen wie z.B. Radiologie, Mikrobiologie, Pathologie mussten Kooperationsverträge mit anderen Krankenhäusern, Arztpraxen und Einrichtungen geschlossen werden.

Dies alles ist nur ein kleiner Auszug – die besondere Herausforderung bestand bei all dem aber auch darin, die Anforderungen entsprechend den Besonderheiten eines Belegarztkrankenhauses umzusetzen.
Im Erhebungsbogen wurde sodann im Einzelnen dargelegt, wie und in welchem Umfang die gestellten Anforderungen erfüllt werden. Nach Einreichung des Bogens bei der Zertifizierungsstelle im Juni 2015 wurde dieser von einem Fachexperten geprüft und bewertet. Die Ergebnisse der Bewertung wurden im September in einem Voraudit gemeinsam mit einem Fachexperten gesprochen; dabei hat sich gezeigt, dass die Anforderungen bereits in hohem Maße erfüllt waren und nur geringfügig Nachbesserungsbedarf bestand.
Das Zertifizierungsaudit fand sodann am 17. und 18.12.2015 statt. Hier wurde durch zwei unabhängige Auditoren die Umsetzung der Anforderungen intensiv begutachtet. Zudem wurden neben einzelnen Bereichen der Klinik auch die Praxen der Hauptoperateure begangen, um jeweils vor Ort die Umsetzung der Vorgaben zu überprüfen. Im Ergebnis war festzustellen, dass den Anforderungen des Erhebungsbogens in hohem Maß entsprochen wird und keine Abweichungen von den Vorgaben vorhanden waren. Dies bedeutet, dass das Zentrum alle Qualitätsanforderungen für eine erfolgreiche Zertifizierung erfüllt und die Auditoren die Empfehlung zur Zertifikatserteilung ausgesprochen haben. Die Auditoren betonten dabei, dass es sehr ungewöhnlich sei, ohne Abweichungen das Erstzertifizierungsaudit zu durchlaufen, da normalerweise mit 3 bis 15 Abweichungen zu rechnen sei. Umso erfreulicher war für uns die Nachricht, dass gleich der erste Versuch so erfolgreich war!


Organisationsstruktur des EndoProthetikZentrums an der Sophien-Klinik

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Lesen Sie mehr über die Möglichkeiten der modernen Endoprothetik.
Dr. med. Stefan Krukenberg, Leiter des EPZ an der Sophien-Klinik, erläutert dies in einem kurzen Fallbeispiel.

 
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