5.12.2007 - Hannoversches Wochenblatt

 

Schmerz lass nach

Neues Therapiekonzept bringt gute Erfolge

HANNOVER. Wer Tag für Tag unter Dauerschmerz leidet, dessen Leben verändert sich so nachhaltig wie negativ. Wer betroffen ist, sucht oft Jahre oder sogar Jahrzehnte lang nach Hilfe. Doch allzu oft ist die Linderung der Symptome nur kurzfristig oder bringt erst gar nicht die gewünschten Erfolge.
So wie bei Ruth Ingenhaag: „Ich habe viele Jahre wahnsinnige Schmerzen gehabt, mir Spritzen, Akupunktur, Krankengymnastik oder auch Schmerztabletten verschreiben lassen - geholfen hat jedoch nichts. Durch die Schmerzen wurde ich zunehmend depressiv, hatte keinerlei Lebensfreude mehr“, erzählt die 76-Jährige.
Damit ist sie nicht allein. Wie Ruth Ingenhaag geht es bundesweit 15 Millionen, die unter permanenten Dauerschmerz leiden. Allein 200 000 Menschen sind in der Region Hannover betroffen. Doch die Patientin hatte Glück.
Durch ein neuartiges Therapiekonzept, das seit März dieses Jahres an der Sophien-Klinik realisiert wird, können viele dieser Betroffenen wieder mehr Lebensqualität erlangen. Dabei handelt es sich um eine modular aufgebaute Form der Schmerztherapie, bei der alle Therapieverfahren, die von der konventionellen Schmerztherapie nur einzeln genutzt werden, gemeinsam und individuell auf die Bedürfnisse und Erkrankung des einzelnen Patienten abgestimmt und durchgeführt werden. Individuell abhängig von der Grunderkrankung des Patienten, wirken an der Therapie neben einem Arzt und natürlich dem Patienten ein Schmerztherapeut, ein Psychologe, ein Physiotherapeut und unter Umständen auch ein Neurochirurg mit.
„Erst durch die Kombination und die intensive Zusammenarbeit aller Beteiligten wird der Behandlungserfolg möglich", betont der Anästhesist und Schmerzmediziner Holger Beine, der das Projekt federführend betreut. „Unser Ziel ist, durch diese strategische Vorgehensweise eine nachhaltige Schmerzminderung für den chronischen Schmerzpatienten zu erreichen, damit der seinen Alltag zu Hause wieder selbst in die Hand nehmen kann“, erklärt Beine, der den Patienten Hilfe zur Selbsthilfe gibt. Rund 170 Patienten haben sich schon für dieses Therapiekonzept entschieden und sich zur Durchführung für rund neun Tage in die Sophien-Klinik Hannover begeben. Mit Erfolg „Die Rückmeldungen sind durchweg positiv“, sagt Beine. Begeistert zeigt sich auch Patientin Ruth Ingenhaag: „Ich bin erst seit wenigen Tagen in Behandlung und schon jetzt fast beschwerdefrei, fühle mich fast wie neugeboren.“
Unterstützt wird die Durchführung der Multimodalen Schmerztherapie unter anderem von verschiedenen Krankenkassen wie der Techniker, der Barmer, der Gmünder oder auch der DAK.

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